Es ist ja nicht so, dass ich noch nie einen Sonnenaufgang oder einen Sonnenuntergang fotografiert habe. Hunderte waren es sicher. Weil ich mich aber vor allem mit Dämmerungs- und Nachtfotografie beschäftige, also mit dem, was nach dem Sonnenuntergang alles passiert, kommen vielfach lichtstarke, eher weitwinklige Objektive zum Einsatz. Ausser beim Mond natürlich. Die meisten wissen, dass ich es liebe, den Mond zu fotografieren. Dazu benötigt man natürlich ein Teleobjektiv, möchte man doch den Mond so gross und detailgetreu wie möglich abbilden. Dazu nutze ich das 150–600 mm von Nikon. Um also den aufgehenden Vollmond abzulichten, braucht man nicht einmal ein extrem lichtstarkes Objektiv, da der Mond sehr viel Licht reflektiert.
Nun aber zur Sonnenfinsternis. Ich habe mir, ehrlich gesagt, bis anhin nie richtig viele Gedanken gemacht, wie man die Sonne als eigenes Objekt am besten ablichtet. Am Tag der Sonnenfinsternis von 1999 habe ich in einem Optikergeschäft gearbeitet, und wir gingen alle mit einer Sonnenfinsternisbrille hinaus und beobachteten das Naturschauspiel. Damals habe ich mich zwar schon mit Fotografie beschäftigt, aber dann doch nicht so intensiv wie heute. Die Meinungen gehen hier, ehrlich gesagt, etwas auseinander. Die einen Fotografen schwören auf spezielle Sonnenfilter, die anderen sagen, dass eine Aufstapelung mehrerer ND-Filter den gleichen Effekt ergibt. Zu weit ins Technische möchte ich hier aber nicht gehen. Fakt ist: Ein Teleobjektiv ist nichts anderes als eine Sammellinse, einfacher ausgedrückt eine Lupe. Und da liegt es in der Natur der Sache, dass eintreffendes Licht gebündelt wird. Dies führt zu Erhitzung. Am Beispiel mit einer Lupe, Sonnenlicht und einem Stück Papier lässt sich das am einfachsten erklären. Für ein schnelles Foto also spricht hier nichts dagegen. Dazu kommt, dass mein Teleobjektiv einen Durchmesser von 95 mm aufweist – ich brauchte also in jedem Fall einen passenden Filter.
Montag, 10. August 2026: Ich informiere mich also über entsprechende Filter und Folien. So stosse ich auf die „Baader Astro Solar Safety Film (OD 5.0)“-Folie. Mit einem solchen Filter lässt sich direkt in die Sonne fotografieren. Es geht hierbei in erster Linie nicht einmal darum, dass die Helligkeit drastisch reduziert wird, sondern darum, dass UV- und vor allem IR-Strahlen absorbiert werden. Diese würden sonst dazu führen, dass der Sensor beschädigt beziehungsweise zerstört werden könnte. Die Folie wird im A4-Format geliefert, sodass es möglich ist, mehrere Filter zu „basteln“. Ich bestellte also eine entsprechende Folie und musste nun hoffen, dass diese noch rechtzeitig vor Mittwoch geliefert wird.

Dienstag, 11. August 2026: Die Folie wurde natürlich nicht geliefert. 😉 Seit mehreren Tagen mache ich mir allerdings Gedanken zum Standort. Ein Turm mit freier Sicht in Richtung Sonnenuntergang wäre natürlich optimal. In Anbetracht dessen, dass auf allen Türmen wahrscheinlich mehrere Menschen stehen und sich vor allem bewegen würden, sah ich schnell von dieser Idee ab. Ich wollte genug Platz haben, aber vor allem verhindern, dass durch die Vibrationen eines Turms mein Stativ wackeln könnte. So fiel mir ein weiterer Standort ein. Mit den Apps Photopills, SunSurveyor und Peakfinder eruierte ich den Standort und prüfte, ob es möglich wäre. Und ja, das müsste gehen. So fuhr ich zum Sonnenuntergang an den Standort. Testen konnte ich natürlich nur ohne aufgebauten Filter. Meine Bildidee war also, dass die Sonne zwischen den Windturbinen untergeht und im besten Fall das mittlere Windrad streift. Das Problem an der Sache ist nur, dass man sich entscheiden muss, ob man ein Bild mit Filter von der Sonne macht oder von der Umgebung beziehungsweise vom Szenario. Der Dynamikumfang zwischen der Helligkeit der Sonne und der Landschaft ist schlicht zu gross, als dass man es in einem Bild einfangen könnte.
Mittwoch, 12. August 2026: Es ist 14 Uhr, als die Filterfolie geliefert wird. Nun musste ich mich sputen. Aus Karton erstellte ich einen Hut, welchen ich über das Objektiv setzen konnte. Zwischen zwei Kartonscheiben spannte ich dann die Folie. Da ich basteltechnisch eher zwei linke Hände habe, würde ich sicher keinen Preis gewinnen. Aber der Nutzen ist wichtiger. Um 15:40 Uhr hatte ich beide Filter fertig. Ich packte die restlichen Dinge und machte mich gegen 16 Uhr zum geplanten Spot auf. Nun hatte ich etwas Zeit, um durchzuschnaufen. Ein paar Einstellungen musste ich noch prüfen und machte so ein paar Testbilder. Wirklich testen kann man so ein Ereignis allerdings kaum.

Ich kontrollierte noch einmal den genauen Standort. Nach den Berechnungen müsste die Sonne genau hinter dem Mast der mittleren Turbine untergehen. Wir werden sehen, ob es klappt. Um 19:08 Uhr beginne ich mit dem Fotografieren. Die Kamera macht automatisiert alle paar Sekunden ein Bild. Um 19:23 Uhr findet der sogenannte Erstkontakt statt: Der Mond „berührt“ die Sonne. Um 20:17 Uhr ist der höchste Grad der Abdeckung. Bei uns waren das knapp 92 %, in Spanien beispielsweise wurde die Totalität erreicht. Um 21:08 Uhr hätte der Mond die Sonne passiert, bei uns verschwand die Sonne allerdings bereits um 19:25 Uhr hinter dem Horizont. Ich wartete noch ein paar Minuten, nahm den Filter ab und machte das Bild für den Hintergrund. So konnte ich den Verlauf der Sonne in einem Bild festhalten.
Mit der anderen Kamera und dem Supertele versuchte ich, die ursprüngliche Bildidee von der vom Mond verdeckten Sonne neben dem Windrad in einem Bild festzuhalten. Keine einfache Sache. Dazu kam leider, dass ein Bauer genau in diesem Zeitraum sein Feld, das sich direkt vor den Windturbinen befand, mähen musste. So wurde sehr viel Staub aufgewirbelt.
Alles in allem war es eine wunderbare Erfahrung, dieses Naturschauspiel fotografisch festzuhalten – ein Moment, der so erst im Jahr 2081 wieder auftritt. Am 2. August 2027 allerdings gibt es zwar die nächste totale Sonnenfinsternis, bei uns wird die Sonne dabei aber nur zu 55 % abgedeckt.
Vielen Dank für das Lesen dieses Artikels.






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