Nordland – Der Film #6

Lofoten

Die ersten Stunden und Eindrücke die ich hier auf dieser Inselgruppe waren eher depressiv geprägt. Ja ich weiss, alle schwärmen von diesem Teil der Erde. Die Sache war aber die, dass es einerseits ununterbrochen regnete, was nicht weiter schlimm war. Es waren eher die tiefen Wolken die fast bis zum Wasser hinunter hingen. Die triste Stimmung die sich verbreitete. Die steigenden Temperaturen liessen den Schnee schmelzen, was ebenfalls nicht schön fürs Auge war.
Die Kunst bestand darin, dieses Elemente nun in eine mystische, geheimnisvolle, spektakuläre Szenerie und Stimmung zu verwandeln. Nachdem ich die erste Nacht neben einer kaum befahrenen Strasse verbracht habe fuhr ich in die Ortschaft Svolvær. Dort fand ich am Hafen ein Waschhäuschen was vermutlich vor allem von Seefahrern genutzt wird. Die beiden Maschinen waren frei und so konnte ich endlich mal Wäsche waschen. Der Trockner brauchte rund 3h um alles zu trocknen. In der Zwischenzeit erkundete ich die Ortschaft. Bei Regen und grau in grau sind leider die meisten Orte nicht die, die einem in Erinnerung bleiben.

Mit frisch gewaschener Wäche erreichte ich etwas später den berühmten Hauklandbeach. Ich war komplett alleine hier und konnte mir also einen guten Platz aussuchen. Bei dem Regen zog ich es dann vor, in einer Parknische gleich an der Strasse zu stehen. Dies stellte sich als sehr gute Lösung heraus. Der Regen legte sich endlich und eine geheimnisvolle Stimmung breitete sich aus.
Es war etwa 1:50 Uhr in der Früh, als ich aus dem Fenster schaute. Der Mond stand schön zwischen den Felsen und war dabei sich bald zu verabschieden. Gleichzeitig bemerkte ich einen grünen Schimmer. Der Himmel war mittlerweile fast komplett wolkenlos. Was am Tag so trist war, war nun eine komplett andere Welt. Schnell schlüpfte ich in die Klamotten und eilte mit den Kameras hinaus. Die eine stellte ich hinter den Wagen, so dass sie gegen Norden ausgerichtet war, mit der anderen stieg ich die Felsen hinunter um verschiedene Szenarien einzufangen. Was dann folgte kann mit Worten nur schwer beschrieben werden. Das sieht man am besten im Video. Extrem schnelle und gleichzeitig langsame Nordlichtaktivitäten waren am Himmel zu sehen. Die Show dauerte bis etwa um 5 Uhr in der Früh. Wahrscheinlich sogar noch länger, aber die Morgendämmerung liess die grünen Schleier verschwinden.

Nach kurzem aufs Ohr legen, war ich gegen 07:30 am Hauklandbeach selber um den Sonnenaufgang festzuhalten. Milde Temperaturen liessen mich im T-Shirt herumrennen.
Die nächsten Stunden verbrachte ich hinter dem Steuer und fuhr die E10 weiter nach Süden bis an deren Ende in A i Lofoten. Dort stand ich nun, am Ende der Lofoten. Oder besser gesagt dort wo man auf einer Strasse hinkommt.
Auf dem Rückweg machte ich in Reine Stop. Es war Nachmittags und das Wetter hielt sich immer noch sehr gut. Das komplette Gegenteil von gestern. Keine einzige Wolke war am Himmel zu sehen. In Reine fuhr ich also erst durch die kleine Ortschaft und parkierte dann oben bei der Brücke, von der aus man einen schönen Ausblick auf die imposanten Berge und das Städtchen hat. In der Hoffnung dass das Wetter stabil bleibt und es die „Lady in Grün“ wieder gut mit mir meint, baute ich Kamera und Stativ auf und begann mit dem Fotografieren. Immer mehr Leute kamen und wollten ebenfalls einen Blick erhaschen. Schon Der Sonnenuntergang war phänomenal, die Lichtstimmung suchte seinesgleichen. Leichte Wolken färbten in weiches pink und lila. Dann wurde es langsam dunkel. Und da waren sie wieder. Grüne Schimmer. Erst ganz leicht, dann immer intensiver. Ein exzellentes Schauspiel.

Gegen 22:00 Uhr entschied ich mich den Zeitraffer zu beenden und fuhr sozusagen dem grünen Licht nach. Über rund 60km verfolgte ich es und machte etliche Stops. Unzählige tolle Sujets gibt es auf dieser Inselgruppe zu entdecken. Der Mond tat das seine dazu, in dem er die Landschaft leicht erhellte.
Irgendwann kam ich an einem kleinen Parkplatz vorbei an dem ich am Tag schon vorbeifuhr und mir noch dachte, dass wenn der frei ist, könnte ich hier übernachten. Und er war frei. So parkierte ich und liess das Dach des Cali T6 hinauf. Die Temperaturen erlaubten es so zu schlafen.

Am nächsten Tag fuhr ich weiter nach Norden und landete wieder beim Hauklandbeach.
Dieser lud zu einem superschönen kitschigen Sonnenuntergang ein. Und später gesellten sich noch einmal ein paar Nordlichter dazu, bevor aufziehende Wolken dem Treiben ein Ende setzten.

Henningsvær nennt man auch das „Venedig“ von Norwegen. Der Ort ist bekannt für seinen Stockfisch. Und hier findet man das wohl schönste Fussballfeld der Welt.

Langsam aber sicher bewegte ich mich immer weiter nach Norden.
Am Ende landete ich wieder bei -15°C, bevor ich mich wieder in Narvik befand. Hier, an dem einen Parkplatz wo ich schon einmal bei Tag parkierte und heute übernachten wollte, führte noch einmal das wunderbare Nordlicht ein Tänzchen vor.

Gute Nach Narvik


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